Frankfurter Rundschau – immer noch Sprachrohr der SPD?

Angesichts der von verschiedenen Kommentatoren unter meinem Facebook-Posting der Frankfurter Rundschau angezweifelten Behauptung, dass es sich bei der Frankfurter Rundschau (#FR) noch immer um ein Medium handelt, bei dem die Feder der SPD zumindest über Umwege mitgestalten kann, habe ich mich zu diesem Beitrag genötigt gesehen.

Die FR wird herausgegeben von der Frankfurter Rundschau GmbH. Deren Gesellschafter sind aktuell
1. der Frankfurter Societät GmbH (FSG) 55%
2. der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH (FAZ) 35%
3. der Karl-Gerold-Stiftung 10%

Zuvor gehörte die FR mehr als 10 Jahre lang zur DDVG, dem Medienunternehmen der SPD und wurde teilweise gemeinsam bis 2013 mit derDuMont Mediengruppe betrieben. Zuletzt, bis zum Verkauf der DDVG-Anteile in 2013, hielt die DDVG einen Anteil von 40% an der FR.
Auf der Seite zur FR auf Wikipedia lassen sich einige Details dazu durchlesen.

Nun aber zu den Einzelheiten, welche den noch fortwährenden Einfluss der SPD und damit meine Äußerung bestätigen:

zu 1. Die FSG gehört selbst der FAZ (5%) und der Fazit Stiftung Gemeinnützige Verlagsgesellschaft mbH (FAS) 95% (Anteile lt. Wikipedia).
Die FAS selbst sieht als ihr Ziel lt. Satzung.:“die Förderung von Wissenschaft und Forschung, Bildung und Erziehung, u. a. durch die Vergabe von Stipendien für die Ausbildung im Zeitungswesen (z. B. an Journalistenschulen) und Stipendien für Promotion an Universitäten und Technischen Hochschulen sowie anerkannten Forschungsinstituten.
Früher war diese Stiftung selbst mehrheitlich in der Hand der FAZ, so http://www.fazit-stiftung.de/historie.html und sollte angeblich zur Unabhängigkeit der Zeitung (FAZ) führen.
Wie unabhängig die FAZ bei derartigen Konstellationen ist, wenn nämlich vorgeblich unabhängige Gesellschaften mit abhängigen Gesellschaften gemeinsam ein Medium herausgeben, darüber kann man sich Gedanken machen. Mehr zur FAZ später.

Gesellschafter der FAS:
Anteile an jener FAS hat
a. beispielsweise Karl Dietrich Seikel, ehemaliger Geschäftsführer der Spiegel-Verlagsgruppe. Die politische Orientierung des Spiegel und der Leser des Spiegel dürfte dem Leser dieses Textes hinreichend bekannt sein.
b. Weiterer Eigener ist Andreas Barner, Vorstandsvorsitzender von Boehringer Ingelheim. Für letzteres Unternehmen wurde Kurz Beck, Ex-Parteibonze der SPD, 10.2013 Pharmalobbyist.
c. Ein anderer Eigner ist Andreas Barner, der 2015 bspw. Präsident des 35. Deutschen Evangelischen Kirchentages 2015 war. Das Präsidium des Kirchentages befürwortete beispielsweise #Kirchenasyl, für das es keine Rechtsgrundlage gibt (sehr kurzer Exkurs: Kirchenasyl wurde 1983 aus dem katholischen Kirchenrecht gestrichen, weil die Kirche erkannte, dass hinreichender staatlicher Rechtsschutz für Asylsuchende besteht und man #Säkularisierung fördern wollte)
Woher kennt man das Kirchenasyl? Z.B. von ProAsyl, einer Lobbygruppe, großteils bestehend aus Linken und SPD-Funktionären. Auf vorwaerts, einem SPD-eigenen Blatt, das zur DDVG gehört, erschien z.B. ein pro ProAsyl-Artikel, dieser hier www.vorwaerts.de/artikel/pro-asyl-fluechtlingsplaene-eu-problematisch.

Zurück zur FSG:
Diese betreibt beispielsweise nebenbei auch die Internetseite www.Deutschland.de, in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt. Na wer ist wohl der Chef des Auswärtigen Amtes? Jedenfalls neben der CDU auch die SPD.

Auch Veranstaltungen der FSG sind toll, bspw. diese „Gesundheitsexperten diskutieren in Frankfurt“. Neben Pharmalobbyisten (kommt Ihnen von oben schon bekannt vor…) ist natürlich ausschließlich dem Parteiensystem ausschließlich von der SPD ein Experte geladen, Dr. Thomas Spies, zumindest damals stellvertretender Vorsitzender und Sozial- und Gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion.

Auch die Tochterunternehmen der FSG sprechen für sich:
Geschäftsführer der „Mix am Mittwoch GmbH“ ist Oliver Rohloff, zuvor beim Berliner Verlag, welcher zur DuMont Mediengruppe gehört. DuMont? Kommt Ihnen das mittlerweile bekannt vor? Ja, genau, die Mediengruppe, die die FR mit der SPD gemeinsam betrieben hat. (Mehr zur aktuellen Verbindung von DuMont unten – ich möchte ja die Pointe nicht vorwegnehmen).

– auch von der FSM Mediendieste GmbH, als weiterem Tochterunternehmen der FAS, ist Herr Rohloff Geschäftsführer – ein vielbeschäftigter Mann…

– die Frankfurter Societäts-Druckerei GmbH, deren Geschäftsführer Volker Hotop ist, druckt neben der FR freilich auch die FAZ (natürlich), Bild und neben letzterer weitere Printmedien des Axel-Springer-Verlages. Hier gibt es dann sogar noch die weitere Verknüpfung zur CDU, da Großaktionärin der Axel Springer AG, Frau Friede Springer ist, welche eine Freundin von Angela Merkel sein soll.

Nun zu DuMont, der langjährigen Partnerin der SPD durch die DDVG:
DuMonts Aufsichtsratschef ist Hans Werner Kilz, ist nebenbei tätig für die Zeit, ehemals den Spiegel und die SZ. Seine politische Orientierung dürfte nun hinreichend klar sein.
DuMont betreibt viele Zeitungen, so z.B. auch die Mitteldeutsche Zeitung, welche einst von der SED übernommen wurde und darum bei vielen Ostdeutschen nicht sooo beliebt ist. Die politische Orientierung des Blattes ist noch immer links.
Daneben gehört auch Bundesanzeiger.de zu der Mediengruppe M. DuMont Schauberg GmbH & Co. KG, wobei die Seite vom Bundesministerium für Justiz herausgegeben wird.
Wer ist der Chef des Justizministeriums? Ach ja Herr Maas, SPD.

Und wo ist jetzt neben den vielen Indizien genau der Beweis für die Verknüpfung der FR zur SPD?
Nun, auf Wikipedia sind hinter den Fußnoten 2, 60 und 61 sehr interessante Artikel verknüpft, aber auch der Fließtext, der die verknüpften Artikel zusammenfasst, ist aufschlussreich. Dort heißt es u.a.:
„Die FR bezieht die Artikel ihres überregionalen Teils zum großen Teil von der DuMont Hauptstadtredaktion in Berlin.[2] … Die FR hat wieder eine eigene Chefredaktion und gestaltet auch den politischen Teil selbst,[60] arbeitet aber journalistisch weiterhin mit der DuMont-Mediengruppe zusammen.[61] Viele überregionale Texte werden von der DuMont-Hauptstadtredaktion bezogen, auch einige regionale Korrespondenten sind Mitarbeiter der DuMont-Zeitungen in den jeweiligen Regionen, z. B. Peter Berger, Fabian Klask und Tim Stinauer aus Köln und Düsseldorf.“

Und die Artikel kommen von DuMont? Aber DuMont hat doch viele Jahre mit dem SPD-Unternehmen zusammengearbeitet?
Ganz genau. Und mit wem arbeitet man zusammen und betreibt mit diesem ein Unternehmen? Natürlich nur mit jemandem, der auch die gleiche politische Orientierung hat, denn sonst würde man nur streiten.

Auch Bundesanzeiger.de, s.o. das DuMont-Unternehmen, gibt Aufschluss über die politische Orientierung der FR, so im Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2015 bis zum 31.12.2015 zur Frankfurter Rundschau GmbH (s.o. Herausgeberin der FR): „Die „Frankfurter Rundschau“ ist eine von Parteien und Interessensgruppen unabhängige Tageszeitung mit einer links-liberalen Grundhaltung.“

Das unabhängig lasse ich nach dem oben Erwähnten einmal dahinstehen …

Der Artikel hinter der Fußnote 60 ist in der Taz, einem linken Blatt, erschienen, kurz nach dem Ausscheiden der DDVG aus der FR in 2013. In der Unterüberschrift des Artikels heißt es: „Doch der alte Anspruch ist geblieben“
Das zeigt sich auch daran, dass der Interviewpartner, der damalige (seit Juli 2012) und jetzige Chefredakteur der FR, Arnd Festerling, bereits seit den 90er Jahren bei der FR ist und auch betonte, dass die linksliberale Haltung (s.o.) wieder stärker herauskommen solle.
Er muss also auch die Gesinnung der SPD teilen, denn sonst wäre er nicht in der Zeit, als die DDVG und DuMont die FR gemeinsam betrieben, zum Chefredakteur geworden – und dieser geblieben. Und man wird auch nicht Chefredakteur eines linken Parteiblattes, wenn man nicht die richtigen Leute kennt und gutheißt.

Auch Fußnote 61, welche auf einen FR-eigenen Artikel des Chefredakteurs verweist, bestätigt. „Unsere Texte aus dem Inland schreiben weiter vor allem die Kollegen im Berliner Büro. Sie sind alle seit Jahren für die FR tätig.“

Es hat sich seit dem zumindest direkten finanziellen Ausstieg der DDVG nichts geändert …

Wer jetzt noch glaubt, dass die FR keinem (zumindest indirekten) Einfluss der SPD ausgesetzt ist, dem kann ich auch nicht mehr helfen, aber ich rate ihm/ihr/x*._, die Hose vielleicht nicht mit der Kneifzange zu schließen.

Rechercheaufwand ca. 45 Minuten. Wenn ich Journalist wäre und mehr Zeit dafür aufwenden wollte, ließen sich sicher mehr Verquickungen finden.

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